Mit Handarbeit in die Premiumklasse



Fabrikführung für Keramik-Publizisten der ersten Stunde in Schlierbach

Brachttal-Schlierbach (dl). Den früheren leitenden Redakteur des Hessischen Rundfunks, Heinz Grossmann, und dessen Gattin, Prof. Dr. Wilma Aden-Grossmann, hatten der Wächtersbacher Keramik-Geschäftsführer Rainer Mann und Wächtersbach-Sammler und -Experte Klaus-Dietrich Keßler zu einer Führung durch die Schlierbacher Fabrik eingeladen. Mit von der Partie war der Sohn von Heinz und Lilo Frensch, die das erste umfassende Werk über „Wächtersbacher Steingut“ herausgegeben haben, Dr. Hasso Frensch und seine Gattin Dr. Cornelia Frensch. Sie erfuhren, dass die Keramik wieder verstärkt auf handgemachte Produkte in der Premiumklasse setzt.

Rainer Mann (rechts) erklärt die Keramikfertigung mit Gussformen Ute Tramowski, Dr. Hasso Frensch, Dr. Cornelia Frensch, Heinz Grossmann, Klaus-Dietrich Keßler und Prof. Dr. Wilma Aden-Grossmann (von links). Foto: Löchl

 

 

Heinz Grossmann war derjenige beim Hessischen Rundfunk, der die ersten Reportagen über die Wächtersbacher Keramikherstellung gemacht hat. Und dabei hat er sich so sehr in das Thema vertieft, dass er sich fortan auch privat mit den schönen Dingen aus Schlierbach umgeben wollte. Sehr schnell erfasste ihn und seine Frau die Sammelleidenschaft, und so war er hoch erfreut, sich über den aktuellen Stand der Entwicklung der Fabrik aus erster Hand unterrichten zu können. Auch die Frenschs sind begeisterte Sammler und nutzten die Gelegenheit, um sich über den wirtschaftlichen und künstlerischen Fortgang in der Schlierbacher Produktionsstätte aktuell zu unterrichten.

Grossmann erzählte, dass er, auf Anregung der Frenschs, deren Buch als Vorlage für seine systematische Berichterstattung zum Thema Wächtersbacher Keramik verwendet habe.

Rainer Mann berichtete, dass die vergangenen Jahre sehr turbulent waren, was 2006 durch die Insolvenz des Unternehmens und die Übernahme und Sanierung durch die Könitz-Porzellanwerke seinen Höhepunkt erreichte. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen dann aus finanzpolitischen Gründen eine Umstrukturierung nach einem Gewerbepark-Konzept erfahren, sodass die Keramikfabrik in die Keramische Fertigungsstelle Brachttal umgewandelt wurde und Lager und Vertrieb nach Könitz verlegt wurden.

Entscheidend für einen erfolgreichen Neuanfang ist für Geschäftsführer Mann auch die geänderte Marktorientierung des Unternehmens. Einfache, einfarbige Produkte werden in eigener Regie nicht mehr hergestellt. Die Unternehmensführung sieht heute, dass die Entscheidung für die Fertigung einfacher Produkte den Niedergang des Unternehmens ehemals begründet habe. Die Design-Entwicklung und die Veränderungen am Markt habe man regelrecht verschlafen. Jetzt möchte man mit typischen alten Dekoren, die zum großen Teil in Handarbeit hergestellt werden, wieder an alte Erfolge anknüpfen. Keine Massenproduktion mehr, sondern kleine Stückzahlen auf hohem Niveau, was sich natürlich auch auf das Preisniveau auswirken wird.

Beim Erklären der einzelnen Fertigungsabläufe kam Mann besonders in der Abteilung, in der die Glasuren aufgebracht werden, ins Schwärmen. Sowie Glasur und Form in der fertigen Keramik zusammenwirken würden, so könne man das nur in der Wächtersbacher Keramikfabrik herstellen. Auch das Geheimnis der kräftigen Farben und die Rezepte für die Glasuren seien einzigartig, genauso wie spezielle Druck- und Aufglasurdruck-Verfahren, die man in Schlierbach noch beherrscht. Viele Eigenheiten, die zum Beispiel in der Porzellanherstellung nicht möglich seien, habe man entwickelt, und deshalb soll künftig der Schwerpunkt der Produktion wieder auf diese keramikspezifischen Ausdrucksformen und Eigenschaften gelegt werden.

Die großen Mengen sollen es in Zukunft nicht mehr sein, auch wenn mit dem erforderlichen Personal noch heute 4500 Teller und 16000 Becher pro Tag hergestellt werden könnten. Auch wenn die Fabrik 60 Prozent ihrer Waren für den Export produziert, davon allein 30 Prozent für die USA, so besteht die Nachfrage nach hochwertigen Produkten, was man bei der künstlerischen Gestaltung und Ausführung der Keramiken künftig berücksichtigen will.

Im Hinausgehen unterrichtete Mann seine Gäste von den Umweltschutzmaßnahmen des Unternehmens, die sich mit Luftabsauger in der Fertigung, regelmäßigen Emissionsmessungen und einer eigenen Kläranlage als weiteres Verkaufsargument sehen lassen können. Als abschließender Höhepunkt des Termins war ein Besuch des Lindenhof Keramikmuseums in Streitberg geplant.

Quelle: Gelnhäuser Neue Zeitung 25.08.2010

Aktualisiert (Donnerstag, den 27. Januar 2011 um 08:39 Uhr)