Kein bisschen frivol, aber selten



Ursula Dillmar und Tochter Nadine, Marlies und Klaus-Dietrich Keßler (von links) mit den Occhis.Lindenhof Keramik-Museum präsentiert Occhi-Ausstellung von Ursula Dittmar

Brachttal-Streitberg (d1). Die alte Handarbeitskunst, die ursprünglich aus China kommen soll, ist unter den Namen Frivolstes, Occhi oder englisch Tatting bekannt. Als Schiffchenspitze erklärt sie Ursula Dittmar, die mit einer Präsentation Ihrer Arbeiten und einem Ausschnitt aus ihrer umfassenden Schiffchen-Sammlung den ganzen Monat April Im Lindenhof Keramik-Museum vertreten sein wird. Zur offiziellen Eröffnung der Sonderausstellung am 1. April haben Marlies und Klaus-Dietrich Keßler auch die Künstlerin eingeladen.

Occhi kommt aus dem Italienischen und soll bezogen auf die gleichnamige Handarbeitskunst so viel wie "aus kleinen Knötchen gebildet" heißen. Warum diese besondere Spitze auch den Namen Frivolites führt, ist so zu erklären, dass besonders wertvolle Damenunterwäsche mit dieser handgearbeiteten Spitze an "frivolen" Orten verziert wurde, erklärte Ursula Dittmar die unterschiedlichen    Bezeichnungen und die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten dieser Handarbeitskunst in der Vergangenheit.

Ursula Dittmar, die heute in Baumtal zu Hause ist, kommt ursprünglich aus Neuenschmidten. Bei den Löwes, ihren Eltern, haben Vater und Mutter in der Wächtersbacher Keramikfabrik gearbeitet. Nach dem Tod ihrer Mutter veräußerte Ursula Dittmar einige Keramiken an Klaus-Dietrich Keßler, wodurch der Kontakt zustande kam. Keßler interessierte sich sofort für diese alte Handarbeitskunst, weil er sich erinnerte, wie seine Großmutter Johanna die ganze Familie in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts mit Handarbeiten durchgebracht hat.

Ursula Dittmar entdeckte ihre Liebe zur "Kunst der kleinen Knötchen" durch eine Bekannte ihrer Eltern, die ihnen kleine Deckchen als Mitbringsel schenkte. Es war gar nicht so leicht, mehr über die Kunst zu erfahren, die aus China stammend über die Königshäuser in den Klosterschulen auch in Europa Verbreitung fand. Dittmar suchte in alteingesessenen Frankfurter Handarbeitsläden nach Anleitungen und die für die Handarbeiten benötigten Schiffchen und Garne. Mit der Kopie einer alten Anleitung als Vorlage hat sie sich die Kunst des Occhi selber beigebracht. Aus Freude an der Handarbeit fertigt sie Deckchen, Wandbilder, Tier- und Pflanzenbilder sowie Ostereierüberzüge zum eigenen Gebrauch und für Freunde zum Verschenken. Für die Ausstellung im Lindenhof Keramik-Museum hat sie der Jahreszeit gemäß ausgeblasene echte Straußen-, Enten- und Hühnereier mitgebracht, die mit einem fantasie- und kunstvoll gearbeileten Überzug verziert sind. Zur Präsentation gehört auch eine kleine Auswahl ihrer Sammlung historischer Schiffchen, die aus Bein, Kokusnuss, Knochen, Kuhhorn, Bernstein, Schellack, Silber, Kupfer, Messing und Kunststoff gefertigt sind. Bei ihrem ersten Besuch überreichte Klaus-Dietrich Keßler ihr ein Familienerbstück. Das aus Elfenbein gefertigte Schiffchen löste große Freude aus, weil es in der bisherigen Sammlung Dittmars noch gefehlt hat. Neben der liebevollen Präsentation der Exponate in den Museumsräumen können zahlreiche Broschüren und Anleitungen zum Thema Occhi eingesehen werden.

Quelle: Gelnhäuser Neue Zeitung 31.02.2012

Aktualisiert (Samstag, den 05. Mai 2012 um 20:00 Uhr)